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Ein besonderer Leseabend. FRAUENleben
Nun halte ich sie in Händen, die neue „Frauenwelt“, und was bringt sie da mit? Eine blau-grüne Karte - Das Reiskorn unter den Büchern - die Ankündigung von Sandras neuem Roman. Genau damit wollte ich eine Lesung für unsere Literaturgruppe in Zürich-Wollishofen organisieren. Das nenne ich Vernetzung.
Gelegentlich traf ich Sandra in der Sauna und wurde so Mithörerin, wie die Autorin von der Entstehung bis zur Drucklegung und schliesslich dem Erfolg ihres jüngsten Romans berichtete und so warteten wir Saunagäste mit der Autorin auf das Erscheinen der „Indonesischen Schwestern“.
Sandra war bereit für unsere Literaturgruppe eine exklusive Privatlesung im kleinen Rahmen zu machen. Wir sind etwa zehn Frauen (drei davon Weltenfrauen) und besprechen monatlich ein Buch. Sie kam eben zurück von der Buchmesse in Leipzig. Ich hatte das Buch inzwischen gelesen, besser gesagt verschlungen, denn ich wollte wissen, wie es diesen Frauen ergeht.
Es handelt vom Leben zwischen zwei Kulturen. Hauptdarsteller sind die Mutter Phyllis mit ihren jungen Töchtern und dem Enkelkind Kiwi. Aufgewachsen sind sie in einer begüterten Familie in Indonesien. Der Tod des deutschstämmigen Vaters bringt sie nach Deutschland und Phyllis kehrt mit ihren halbwüchsigen Töchtern nicht mehr in den Schoss der Familie zurück. Sie wird von ihrem Vater verstossen. Zwar sprechen sie deutsch, sind aber fremd im „Vaterland“ und leben nun zwischen zwei Kulturen. Das ist nicht ganz einfach, zudem ist dieses Leben nicht mehr mit materiellen Gütern gesegnet.
Wir erfahren viel über indonesische Lebensweisen, Geschichten von Geistern und Ritualen rund um die Geburt eines Kindes. Kiwi kommt am ersten beschriebenen Tag auf die Welt, ihre Mutter ist erst 16. Sie wird liebevoll aufgenommen. Kiwi entwickelt sich prächtig, betreut von Grossmutter und Tanten. 
Die drei Schwestern sind sehr unterschiedlich, sind aber durch ihr starkes Familienband miteinander verbunden, das sehr wichtig ist, denn sonst haben sie niemanden, der oder die sich verlässlich ihrer annimmt. Für mich ist die Hauptperson Phyllis - das Familienoberhaupt - Mutter und Grossmutter. Ihre Devise: „Keine Erklärungen, keine Fragen, keine Entschuldigungen. Und in schweren Fällen den bösen Geist austreiben lassen.“
Es naht der besondere Leseabend, ein Meierislistrauss duftet frisch im Zimmer. Natürlich sind die Saunafrauen auch eingeladen. Sandra bringt ihre Schwester aus Holland und deren drei Kinder mit und andere Teilnehmerinnen haben ebenfalls Gäste mit Kindern angekündigt. Für Sandra ist das kein Problem, wird alles schon gehen, auch mit den Kindern. Das ist ihre Erfahrung mit der indonesischen Familie.
Alle machen es sich gemütlich, es gibt ein Glas Wein und etwas zu knabbern. Sandra beginnt mit einführenden Worten über die Seltenheit von erfolgreichen AutorInnen. Nur gerade 3% können vom Schreiben leben. Dann liest sie uns einige Passagen vor. Zuerst die eindrückliche Stelle der Ankunft in Deutschland im Sommer. Sie trugen Pelzmäntel und trotzdem war ihnen kalt.
Die erste Frage bezieht sich auf den autobiographischen Anteil. Sandra erklärt: Gefühle kann man nicht erfinden. Nur das, was eigenes Erleben ist, lässt sich glaubwürdig verarbeiten. Es wird klar, dass ihre eigene Grossmutter das Vorbild für Phyllis abgibt. Nebst den Erlebnissen, Erzählungen und Geschichten sind in der Familie auch Aufzeichnungen vorhanden, die mitverwendet werden konnten und natürlich musste recherchiert werden, denn was im Buch steht, muss stimmen.
In der kleinen Tochter Maura von Sandras Schwester erkennen wir Kiwi. Wir sind alle beeindruckt, wie lebendig das Buch vor uns steht. Aus der exklusiven Lesung ist ein Erlebnisabend geworden. Sandra signiert unsere Bücher und verlässt uns mit ihren Gästen. Wir konnten uns noch lange austauschen und waren sehr angeregt.
Euch kann ich diese Lektüre sehr empfehlen. Die Autorin hat einen Sinn für Komik und wir waren uns nicht einig, ob „Die indonesischen Schwestern“ nun unglücklich waren oder nur unangepasst.
Ursula Rosa Michel, frauenleben.li, Juni 2011
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