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Brot mit Leberwurst und Reis - Büchereule Ida

Es liegt nun schon einige Wochen zurück, dass ich dieses Buch gelesen habe, und ich finde noch immer keine andere Umschreibung dafür als "irgendwie nicht rund". Aber vielleicht ist das ja genau das, was dieses Buch auf gar keinen Fall sein will.

Über den Inhalt der Geschichte wurde hier schon viel gesagt, deshalb beschränke ich mich auf meine Eindrücke.
Phyllis mit all ihren Stärken und Schwächen ist einfach Phyllis, nicht vergleichbar mit irgeneiner Person, die ich im realen Leben kenne oder in einem Buch kennengelernt habe. Sie ist auf ihre Weise genauso festgefahren wie das deutsche Kleinbürgertum - und trotzdem immer bereit, Regeln in die Richtung abzuwandeln, dass sie wieder einigermaßen passen. Sie warmherzig, kreativ, starrköpfig, liebenswert. Ihre Beweggründe, in Deutschland zu bleiben, verstehe ich nicht so ganz. Sie bleibt dort, wo ihr Mann begraben ist, aber da muss doch noch mehr sein, wenn sie so viel auf sich nimmt. Vielleicht ist mir da etwas entgangen... Bei ihren drei Töchtern kommt zu den ganz normalen Problemen des Erwachsenwerdens noch das Anderssein, das Ausgeschlossensein hinzu, zu viel für sie, jedenfalls für Yasmin. Zu Gritta habe ich am wenigsten Zugang gefunden, aber auch Yasmin und Jola sind mir fremd geblieben, nicht nur, weil sie "anders" sind, sondern auch, weil ich sie aus irgendeinem Grund trotz ausführlicher Inneneinsichten nicht wirklich kennenlernen konnte.

Vielleicht ist das ja so beabsichtigt. Natürlich spielt die Autorin teilweise mit Klischees, das passt auch zu diesem Buch, sie spielt mit ungewöhnlichen Bildern, manchmal gut, manchmal weniger gut. Zeitweise hüpfte mir die Perspektive allzu schnell hin und her, ich kam gar nicht so schnell nach. Insgesamt blieb bei mir der Eindruck, der Text sei noch nicht richtig vollendet, noch sperrig, es fehle noch der letzte Schliff. Im letzten Drittel wurde das besser - ich habe überlegt, ob das damit zusammenhängt, dass die Anpassung der Figuren in Deutschland im Zeitablauf ja fortgeschritten ist und sie gegen Ende eben besser "passen".

Der Schluss mit der Aussage "Brot mit Leberwurst und Reis" kam für mich ein klein wenig mit der Brechstange daher, schade. Da hätte ich es mir ein wenig zarter gewünscht.

Dieses Gefühl, egal was man tut, selbst wenn es mit den besten Absichten geschieht, daneben zu stehen und Außenseiter zu sein, kam jedenfalls recht ungefiltert und schonungslos bei mir an, und ich kann mir gut vorstellen, dass sich nicht wenige Menschen tagtäglich genau so fühlen. Einem solchen Buch sind möglichst viele LeserInnen zu wünschen - schließlich sind wir alle für den Rest der Welt außerhalb eines kleinen heimatlichen Territoriums die "Anderen".

Büchereule Ida, 02.10.2011

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