Mette führt Buch, Irma gibt Bücher weiter. Meine neuste Kolumne finden Sie in der Rubrik «lesen» – und mehr.
20 Minuten Week. Das Lifestyle- und Ausgehmagazin
Frauenpower
Renates Leben ist nicht gerade das, was man gemeinhin als unkompliziert bezeichnet. Die nicht mehr ganz junge Frau pendelt zwischen ihrer Zürcher Lesben-WG und dem Alltag als Pflegeschwester Spätestens als eine neue, anfänglich etwas abweisende Mitbewohnerin einzieht und im Altenheim der greise Herr Müller auffällig viele Pillen hortet, brauen sich über Renates ansonsten sonnigem Gemüt Gewitterwolken zusammen. Zu allem Überfluss verliebt sie sich auch noch in die lakonische Christina, eine wie Renate findet -«erdbeerfarbene Blondine».
Kritik
Mit viel Schwung und Sympathie für menschliche Unzulänglichkeiten berichtet die in Zürich lebende lesbische Autorin Sandra Wöhe in ihrem Roman-Debüt über ihre Erfahrungen als Krankenpflegerin und Lesbe. Dabei wird so manches Klischee auf die Schippe genommen. Das geschieht meist auf witzige Art und bietet Einblick in die Dialektik weiblichen Denkens: «Die Jungs waren mir egal. Aber nicht die Wirkung, die ich auf sie hatte.»
«Lass mich deine Pizza sein» ist kein feministischer Roman, begegnet doch die Protagonistin den Widrigkeiten, mit denen sich eine lesbische Frau konfrontiert sieht, fast ausschliesslich mit Humor.
Eine gewisse Leichtigkeit des Seins durchzieht die gesamte Geschichte -und die dürfte auch Männer unterhalten. Auf Dauer wirkt aber gerade dieses Locker-Flockige etwas angestrengt.
söh, 20 Minuten Week 15.Januar 2004