Der Gesundheit nach: Mette & Irma laufen los. Die neueste Kolumne finden Sie in der Rubrik Lesen – und mehr.
Ulrike Karner
Als Kind liebte ich es, meiner besten Freundin lange Briefe zu schreiben, worin ich selbst erfundene Geschichten erzählte. Vor dem Einschlafen betete ich zu Gott, später einmal ein Buch veröffentlichen zu dürfen, war das Schreiben doch wie ein Brunnen, der mich mit Glück füllte.
Allerdings wurden die ersonnenen Gedichte und Erzählungen im Jugendalter derart bizarr, dass nur mehr die Begeisterung der besten Freundin ungebrochen blieb. Daher entschied ich mich für die Ergreifung eines verwandten Berufsfeldes, nämlich der Psychologie und Pädagogik. Während ich in Wien die Studien betrieb, liebäugelte ich einige Zeit mit einer Karriere als Schauspielerin, die jedoch tragischerweise scheiterte
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Jobs als Kellnerin, Verkäuferin, Horterzieherin, Kleinkindpädagogin, Evaluatorin von Projekten und Museumspädagogin ließen mich in so manch seelischen Abgrund blicken. Als ich die wissenschaftlichen Studien schließlich abschloss, redete ich mir ein, die Diplomarbeit sei ein Ersatz für das erträumte Buch aus der Kindheit. Doch wie ich lernen durfte, halten faule Kompromisse nun einmal nicht.
Während ich als Psychologin arbeitete, wurde der Drang zu schreiben immer stärker, bis ich mir eine Auszeit gönnte und den Debütroman Allah und der Regenbogen verfasste. Darin griff ich das Tabuthema >Homosexualität bei jungen Migrantinnen< auf, das auf reges Interesse stieß. Im September 2011 wurde die Fortsetzung Regenbogenlicht veröffentlicht, die auch als eigenständige Geschichte zu lesen ist.
Neben dem Schreiben unterstütze ich derzeit Jugendliche, die in Krisen stecken.
Interview mit Ulrike Karner, Dezember 2011
Was ist lesbische Literatur oder Frauenliteratur?
Ulrike Karner: Sie versteht die Situation, die Bedürfnisse von Frauen/ Lesben differenziert und vielfältig zu betrachten; Klischees und Rollenstereotype werden kritisch reflektiert.
Welches ist zurzeit deine Lieblingsautorin, dein Lieblingsbuch?
Ulrike Karner: Patricia Highsmiths Salz und sein Preis
Was macht deiner Meinung nach eine gute Autorin aus?
Ulrike Karner: Wertungen dieser Art sind mir fremd. Mir gefallen einzelne Werke oder auch nicht. Die dahinter stehenden Autorinnen verdienen immer höchsten Respekt, sich auf das Wagnis des Schreibens eingelassen zu haben.
Hast du mit deinen Veröffentlichungen ein literarisches und/oder gesellschaftliches Anliegen?
Ulrike Karner: Meine beiden Bücher verstehe ich als Aufruf, sich aus patriarchalischen Systemen zu befreien. Normen und Traditionen rauben Frauen wie Männern eine selbstbestimmte Zukunft; das Leben wird vorhersehbar, fad, normiert und unglücklich.
Welchen Stellenwert nimmt das Schreiben in deinem Leben ein?
Ulrike Karner: Das Kreieren von Figuren im Kopf, die miteinander verknüpft sind, erfüllt mich mit Spannung und Zufriedenheit. Ohne das Schreiben wäre mein Leben um einiges ärmer. Außerdem werden in jeder Geschichte auch eigene Themen verarbeitet, was ich als höchst reinigend empfinde.
Urike Karner, Jahrgang 1978
Geburtsort: Knittelfeld/ Österreich
E-Mail: ulrike.karner[at]gmx.at
Werkverzeichnis:
Allah und der Regenbogen, Ulrike Helmer Verlag, 2010
Regenbogenlicht, Ulrike Helmer Verlag, 2011