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Sie zeigen grenzenlose Farbenpracht I SÜDKURIER Medienhaus
Bunt, schrill, verrückt: Zum zweiten Mal ließ der Christopher Street Day (CSD) materielle und geistige
Grenzen hinter sich und überquerte symbolisch die deutsch-schweizerische Grenze.
Stefan Baier bei der Kundgebung auf der Marktstätte. Der Vorsitzende des CSD Konstanz weiß, wie wichtig der ständige Einsatz für die eigenen Rechte ist. „Die Möglichkeit der gleichgeschlechtlichen Eheschließung im Konstanzer Standesamt ist ein wichtiger Schritt gewesen, doch das Ziel ist noch lange nicht erreicht“, sagt er.
In Kreuzlingen begannen die Teilnehmer aller sexuellen Orientierungen ihren Demonstrationszug gegen Ausgrenzung. Traditionell angeführt von den Frauen vom Verein Belladonna auf ihren Motorrädern verließen die Mitwirkenden den Bärenplatz leicht verspätet und mussten auch an der Grenze einige Minuten warten, denn diese durfte erst ab zwölf Uhr überquert werden. Schließlich jedoch vollzogen Stefan Baier, Lorielle London und Ross Anthony als Erste den symbolischen Schritt zur Vorurteilsfreiheit und bahnten den Weg für hunderte von Teilnehmern.
Auf ihrer Strecke durch die Konstanzer Altstadt zogen die feiernden und demonstrierenden Menschen dann alle Blicke auf sich. Die zwei Musikwagen schlängelten sich geschickt durch die engen Gassen der Stadt, am Münster vorbei, über den Fischmarkt zur Marktstätte. Dort verkündete Stefan Baier den Forderungskatalog gegen Unterdrückung und Diskriminierung: „Wir fordern unseren Platz inmitten der Gesellschaft und fordern jeden Einzelnen dazu auf, für die Gleichberechtigung einzustehen.
"Ob Homo-, Trans- oder Bisexuelle, sie verstecken sich nicht und fordern unter den Farben des Regenbogens Aufmerksamkeit und Respekt. „Wenn ich bei jedem CSD auch nur eine Person bewegen kann, seine Einstellung zu ändern, dann habe ich etwas erreicht“, ist Ute Hauth von der Piratenpartei überzeugt.
Das Motto „Trau Dich“ soll dabei nicht nur Menschen bewegen, ihre Sexualität offen auszuleben, sondern fordert auch Gleichberechtigung bei der Eheschließung. „Es sind CSDs, die eine wichtige Stellung in unserem Bemühen um gesellschaftliche Akzeptanz einnehmen“, so Baier. Es war eine bunte Party, die in Erinnerung bleiben wird. Weltweit ist der hiesige grenzüberschreitende CSD einzigartig. Doch wie viel kann diese schrille Feier bewirken? Vor allem die jüngere Generation sei offen und unbefangen, so Ute Hauth, doch zu viele Menschen würden immer noch erschrecken: „Wir wollen als normal betrachtet werden“, fordert sie.
SÜDKURIER, Konstanz, 18.07.2011