Mette führt Buch, Irma gibt Bücher weiter. Meine neuste Kolumne finden Sie in der Rubrik «lesen» – und mehr.
Pirate-art. Sinnliche Frauenerotik
Pirate-art für sinnliche Frauenerotik
"In diesem Projekt um Menschen, wie sie Sinnlichkeit, Ästhetik und Toleranz, aber auch Erotik und Sexualität leben. Es handelt sich dabei um eine Seite, die keinerlei kommerzielle Anliegen verfolgt. Alle Inhalte sind persönlicher Natur und dürfen nur nach Anfrage kopiert oder weitergegeben werden. Wenn Sie an erotischen Texten oder Bildern Anstoss nehmen, oder unter 18 Jahre alt sind besuchen Sie uns bitte nicht."
Deine Großmutter hat gesagt, Homosexualität läge in unseren Genen. Glaubst Du auch, dass es hier so etwas wie "familiäre Disposition" gibt?
Sandra Wöhe: Homosexualität gehört genauso selbstverständlich zum Lebensplan der Welt wie Heterosexualität, sonst würde es sie nicht geben. Dies drückte meine Oma mit den Worten "Homosexualität läge in unseren Genen" aus. Hätte ich beispielsweise eine Vorliebe für Lack und Leder würde sie etwas Ähnliches sagen. Sie gab mir immer ein Gefühl von egal was du lebst oder tust, ich decke dir den Rücken.
Warum haben Deiner Meinung nach die Lesben- und die Schwulenszene so wenig Gemeinsamkeiten?
Sandra Wöhe: Wie sollte dies möglich sein, wenn im Grunde eine Lesbe nicht versteht, warum eine oder einer einen Mann attraktiv finden kann und ein Schwuler nicht begreift, was an einer Frau so besonders ist.
Unsere einzige Gemeinsamkeit ist, dass wir homosexuell sind, das ist einerseits viel und andererseits zu wenig, um gemeinsam an einem Strang zu ziehen oder eine Szene zu bilden.
Was sind Deiner Meinung nach Begründungen, warum sich viele Lesben so "männlich" anziehen?
Sandra Wöhe: Tun viele Lesben das? Dauernd müssen wir Lesben uns ein neues Outfit ausdenken, weil ein Jahr später der Mainstream `unseren` Kleidungsstil kopiert. Ich finde es anstrengend, immer wieder einen neuen Trend zu erfinden, damit wir uns von der Masse abgrenzen. Bei Lesben nennt man das Outfit "männlich", wenn es Heterosexuelle tragen, wird es "trendy" genannt. Das ist mir zu viel Lifestyle-Etikettierung.
Was ist für Dich ganz persönlich der größte Unterschied im Zusammenleben mit einer Frau oder einem Mann?
Sandra Wöhe: Es ist 20 Jahre her, dass ich mit einem Mann zusammengelebt habe. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wie es war.
Ich bin lieber mit Frauen zusammen. Ich liebe es, mit ihnen zu tanzen, zu essen und zu leben sowie den Alltag zu bewältigen, indem beide kochen, einkaufen, putzen, Nägel in die Wände schlagen und mit Behörden verhandeln.
Das einzige was mir noch lebhaft in Erinnerung ist, dass sein Körper beim Einschlafen, vor allem sein Arm auf meiner Taille, mir zu schwer war und ich ihn immer auf die Seite legte, mehr fällt mir nicht mehr dazu ein.
Gibt es in Deinem Leben als "besten Freund" einen Mann oder eine Frau?
Sandra Wöhe: Einen "besten" Freund habe ich nicht, dafür aber mehrere Busenfreundinnen. Ich hatte das große Glück, dass aus sämtlichen Liebesbeziehungen Freundinnenschaften wurden. Ich würde keine meiner Freundinnen missen wollen, aber einen "besten Freund" fehlt mir nicht.
Hast Du ein erotisches Lieblingsbuch?
Sandra Wöhe: "Mein lesbisches Auge 4" aus dem konkursbuch Verlag Claudia Gehrke. Es ist eine Anthologie, in der meine allererste erotische Kurzgeschichte "Spiel mit Süßem" veröffentlicht worden ist. Das bedeutet mir viel.
Was findest Du reizvoller, erotische Geschichten oder erotische Fotografien?
Sandra Wöhe: Ich finde beides gleich reizvoll, wenn es gut gemacht ist. Erotische Geschichten sprechen mich auf der Bauchebene an. Erotische Fotografien haben einen direkten Draht zu meiner voyeuristischen Ader. Ich möchte auf keine von beiden verzichten.
Hast Du einen erotischen Wunschtraum? Würdest Du diesen, wenn Dir dafür die Möglichkeit geboten würde, auch in die Realität umsetzen wollen?
Sandra Wöhe: Erotische Wunschträume lassen sich nicht immer in die Tat umsetzen, weil nichts in der Realität so erregend ist wie in der Fantasie. Darum würde ich einige meiner fantastischen Erlebnisse weder erzählen noch in die Realität umsetzen wollen, ich würde den erotischen Kick zu sehr vermissen.
Ansonsten versuche ich meine erotischen Wunschträume immer in die Tat umzusetzen, da ich Anhängerinnen vom "Blümchensex" bin, ist das auch nicht schwer. Wobei ich mich schon frage, wo fängt "Blümchensex" an und wo hört er auf, dies definiere ich mit jeder Partnerin neu.
Was ist Deiner Meinung nach in der Erotik zwischen zwei Menschen wichtig?
Sandra Wöhe: Für die Erotik wie auch für die Liebe finde ich es wichtig, dass eine sich auf die andere einlässt, auch in Zeiten, wenn eine keine Lust auf Sex hat - bekanntlich kommt der Appetit beim Essen.
Damit will ich sagen, die Erotik muss gelebt leben und wenn sie gelebt wird, steht einem die Welt offen und gibt einem die Kraft den Alltag zu bewältigen, unabhängig davon wie sehr es in der Beziehung stürmt.
Findest Du es gut, dass heute so viel über Sex in den Medien gezeigt und geredet wird?
Sandra Wöhe: Wenn ich daraus lernen könnte und es mein Sexualleben bereichern würde, dann könnte in den Medien nicht genug über Sex berichtet werden, aber da dies nicht so ist, langweilt es mich.
In meinem Bücherregal stehen viele "Sexbücher" mit Spielanleitungen wie ich mein Liebesleben bereichern kann, aber der Aufwand ist viel zu gross, um es im Alltag durchzuführen. Was ich mir wünschen würde, ist eine Anleitung zur Hingabe.
Welchen Stellenwert hat für Dich ganz persönlich das Internet im Leben?
Sandra Wöhe: Ohne das Internet geht nichts mehr. Ich lebe "Online". Ohne das Marketing im Internet wäre es nie so schnell zu einer zweiten Auflage meines Romans "Lass mich deine Pizza sein" gekommen, weil ich nie so schnell, so viele Lesben erreicht hätte. Außerdem hätten wir uns nie kennen gelernt, um dieses Interview zu führen. Das wäre doch schade. Nicht wahr?
Hättest Du Lust eine erotische Geschichte für diese Seite zu schreiben?
Sandra Wöhe: Dieses Jahr erscheint neben der bereits erwähnten erotischen Geschichte eine weitere, "Gänse braten" in der Anthologie "Küsse und Bisse III" im Querverlag.
Deswegen stehen erotische Kurzgeschichten erst nächstes Jahr wieder auf meinem Programm, aber ich könnte dir eine lesbische Kolumne anbieten.
Herzlichen Dank für dieses Interview und die Erlaubnis, es zu auf Pirate-art zu veröffentlichen.
ishtar & piratin-x, Juli 2004
Interview mit der lesbischen Autorin Sandra Wöhe