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Hosen runter

Cover: Das lesbische Auge 10 - Konkursbuch Verlag «Mein lesbisches Auge», die erotische Anthologie aus dem konkursbuch Verlag Claudia Gehrke, erscheint alljährlich pünktlich zur Leipziger Buchmesse - in diesem Jahr als Jubiläumsband X.
In dem Jahrbuch der Erotik 2011 geht es um Frauen, Leben und lesbische Sexualität. Zart, hart, erregend, anregend, heiter oder ernst sind die Geschichten. Dazu gibt es Interviews mit Autorinnen.

Gibt es lesbische Vorbilder für Sie? Prominente in der Geschichte? Wer? Warum?
Sandra Wöhe: Meine Jola ausDie indonesischen Schwestern“, in die bin ich völlig vernarrt. Sie verliebt sich in ihre Viktoria, als sei es das Selbstverständlichste auf der Welt. Sie akzeptiert das so sehr andere Denken dieser Frau und lässt sich komplett auf sie ein – ohne sich selbst dabei zu verlieren. Sie liebt bedingungslos, obwohl sie nicht an die Liebe glaubt.

Sind Lesben im 21. Jahrhundert tatsächlich gesellschaftlich akzeptiert oder ist das ein Trugschluss?
Sandra Wöhe: Das weiß doch jede: Lesben sind Männerhasserinnen. Und weil das nun einmal so ist, bin ich keine Lesbe. Oder?
Und wenn ich keine bin, wird das meine Freundin sehr überraschen, dass sie ein Verhältnis mit einer Hete hat. Schatz, ich muss dir was erklären. Obwohl, sie hasst die Männer auch nicht. Hurra, wir sind Heten. Na ja, fast. Aber wir sind ja auch nur fast akzeptiert.

Wie lange dauerte Ihre längste Liebesgeschichte?
Sandra Wöhe: Meine schönsten Lieben wurden die besten Freundschaften. Die Liebe hält – wenn sie sich weiterentwickeln darf. Somit dauert meine erste lesbische Liebesgeschichte eigentlich immer noch an, seit mittlerweile einem Vierteljahrhundert. Sie hält auch deswegen, weil sie irgendwann Platz gemacht hat in meinem Herzen.

Was ändert sich mit der Dauer?
Sandra Wöhe: Alles. Liebe lebt und die Sexualität erst recht. Beides will gepflegt sein. Beides. Wie das mit der Liebe geht, das wissen die meisten.

Beschreiben Sie „besondere“ Momente nach 10 Jahren, schöne und weniger schöne, erotische, sexuelle und aus dem Alltag ...
Sandra Wöhe: „Du schnarchst!“, sagte sie. Dieser blöde Schnupfen, dachte ich, griff nach dem zweiten Kissen und wollte auf das Sofa ausweichen. Sie hielt mich fest.

Und aus der Anfangszeit der Beziehung?
Sandra Wöhe: Die Zahnpasta war schuld. Die hatte ich mit der Massagecreme verwechselt. Ausgerechnet in der ersten, unserer allerersten Nacht. Aber meine Sternin lachte nur. Und ich habe mich in Grund und Boden geschämt. Zum Glück. Mein jämmerliches Gesicht, das war es, was ihr das Herz geöffnet hat. Wenn es heute mal hart auf hart geht, ist die Zahncreme immer noch der beste Weichspüler im Haus. Biologisch abbaubar.

Symbiose, was ist das genau?
Sandra Wöhe: „Du bist mein Ein und Alles!“, sagte sie. „Mehr als dich will ich gar nicht brauchen.“ Ich verstummte. Was sollte ich ihr noch erzählen, wenn wir alles gemeinsam erlebten?

Ist Symbiose für Sie eher etwas „Schönes“ oder eher etwas „Schlimmes“, wieso?
Sandra Wöhe: Was habe ich damit zu tun, dass du dich in mich verliebst? Nichts. Was hast du damit zu tun, dass ich bei dir bleiben will? Überhaupt nichts. Was haben wir zu tun, dass die Beziehung uns trägt? Alles. Mit zunehmender Erfahrung und Sicherheit wächst sich jede Symbiose aus.

Haben Sie schon einmal sexuelle Abhängigkeit erlebt? Haben Sie sich schon einmal darüber Gedanken gemacht?
Sandra Wöhe: Jede ist anders. Mit jeder ist es anders. Eine Köstlichkeit findet sich immer. Eine? Oft ist es ein ganzer Sack voller Süßigkeiten. Aber wer zu viel nascht, verliert eher die Fasson als den freien Willen.

Was ändert sich durch das Älterwerden im Verhältnis zu anderen Frauen?
Sandra Wöhe: Wenn ich mich früher auf eine eingelassen habe, dann war ich blind für das, was Unschönes passierte. Was habe ich da nicht alles mit mir machen lassen! Zum Beispiel den Sex zu unterbrechen, weil der Ex zum Geburtstag gratuliert werden musste. Heute dulde ich kein Telefon im Schlafzimmer.

Was ist guter, was schlechter Sex?
Sandra Wöhe: Die einen sind von ihren Zauberhänden überzeugt, auch wenn diese gar nicht gefragt sind. Die anderen trauen ihrem Fingerspiel überhaupt nichts zu. Wie bedauerlich! Sexuelle Magie entsteht beim Spielen – mit dem Mut, neue Regeln zu schreiben.

Sandra Wöhe, Autorin für Frauen - und Lesbenliteratur, Winter/Frühling 2011
 

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