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Kamillealaaf

Lass mich deine Pizza sein
von der lesbischen Autorin Sandra Wöhe

 

Erst eine kurze Beschreibung des Frauenromans:

Renate ist Gemeindeschwester und liebt Pizza. Und Frauen, auch wenn sie letzteres auf der Arbeit nicht an die große Glocke hängt. Wem sollte sie sich dort auch anvertrauen? Der senilen Frau Müller, diesem weiblichen Tugendbund, der sie morgens aus dem Bett und abends wieder hinein hilft? Oder Leni Müllers tyrannischem Ehemann, der verdächtig viele Pillen hortet und allen Grund zum Grübeln gibt? - Bei anderer Gelegenheit nimmt Renate den Mund wiederum zu voll. Beim Pizzaessen zum Beispiel, oder wenn sie ihre neue Bekanntschaft Christina keck zum Sex auffordert und dann kalte Füße bekommt. Mit ihren Gefühlen (und ihrem Busen) hat sie halt ein paar Schwierigkeiten ... . Jedenfalls geben sie und ihre langjährige Mitbewohnerin Leila ein hinreißendes WG-Gespann ab, dem sich noch die sympathische "Radikallesbe" Jo zugesellt, die sich bald als Hetera erweist.
In "Lass mich deine Pizza sein" geht es um die Liebe, mit der alle zu kämpfen haben und der sie sich doch nicht entziehen können.

 

Hier ein kleines Interview mit ihr:

Die Handlung spielt in einer WG, ist das Buch auch etwas für nicht WG-Kennerinnen?
Sandra Wöhe:
Ich habe nie in einer WG gewohnt außer als Zweierkiste und das zählt nicht, somit habe ich die Problematik, die in Wohngemeinschaften vorkommt, nur angedeutet.

Wie real sind die Figuren Jo und Renate?
Sandra Wöhe: Die Frage nach der Authentizität einer Geschichte und den Figuren finde ich spannend, solange sie anderen Autorinnen gestellt wird, aber wenn ich sie beantworten soll, drücke ich mich gern davor, weil meine Geschichten und Figuren immer ein Potpourri aus Realität und Phantasie sind. Ich werde niemandem verraten, welche Szene der Wirklichkeit entnommen ist, nicht einmal meinen Freundinnen, die sich in jeder Figur wieder zu erkennen glauben.

Mit welcher Figur in deinem Buch kannst du dich am ehesten identifizieren?
Sandra Wöhe: Keine Figur bin ich. Doch haben alle Eigenschaften von mir, sogar die Figur Werner Müller, den ich immer noch nicht ausstehen kann.

Wie kamst du auf den Titel des Buches?
Sandra Wöhe: Meine Verlegerin Ulrike Helmer hat ihn als Titel vorgeschlagen. Als ich über ihren Vorschlag fertig gelacht hatte, weil ich nicht glauben konnte, dass jemand so etwas erfindet, habe ich gleich zugestimmt. Das Lachen ist mir aber vergangen, als Ulrike Helmer mir sagte, es sei ein Zitat aus meinem Buch und stamme aus meiner Feder. Es steht in meinem Roman im Zusammenhang mit Liebe.

Wie kam der Roman in der Schweiz an?
Sandra Wöhe: Mein Frauenroman "Lass mich deine Pizza sein" ist sehr erfolgreich. Eine zweite Auflage nach nur sieben Wochen übertrifft alle Erwartungen. Sogar die zentrale Einkaufsstelle der öffentlichen Bibliotheken in Deutschland hat 50 Exemplare eingekauft.

Außerdem habe ich meinen ersten Gehaltscheck bekommen, den ich eingerahmt im Badezimmer aufgehängt habe.

Was hältst du persönlich von den in deinem Buch vorkommenden Klischees?
Sandra Wöhe: Ich habe alle lesbischen Klischees, die ich aufgeschnappt habe, aufgeschrieben und hoffe damit, ein Schmunzeln zu entlocken oder sogar eine Diskussion zu entfachen.

Seit wann lebst du als offene Lesbe in der Öffentlichkeit und welche Nachteile haben sich daraus möglicherweise ergeben?
Sandra Wöhe: Ich hatte großes Glück, denn als Autorin komme ich kaum in Berührung mit der heterosexuellen Welt und werde somit selten diskriminiert. Manchmal habe ich aber auch den Verdacht, dass die alltäglichen Diskriminierungen so selbstverständlich geworden sind, dass ich sie nicht mehr bemerke, außer sie sind sehr krass, wie an dem Abend, als ich vor einem heterosexuellen Publikum aus dem Roman "Lass mich deine Pizza" vorlas. Nach der Lesung hielten die Männer mich von ihren Frauen fern, indem sie mich in Beschlag nahmen. An dem Abend konnte keine Frau in meine Nähe kommen, um sich mit mir zu unterhalten. Ich glaubte, mich in einem "falschen Film" zu befinden.

Planst du bereits einen weiteren Roman?
Sandra Wöhe: Im Frühling ist die erotische Kurzgeschichte "Spiel mit Süßem" in "Mein lesbisches Auge 4" im Konkursbuchverlag erschienen. Im Herbst kommt in der Anthologie "Küsse und Bisse III" im Querverlag meine Kurzgeschichte "Gänse braten" heraus und im Herbst veröffentlicht konkursbuch Verlag Claudia Gehrke meinen neuen Roman "Giraffe im Nadelöhr", eine lesbische Liebesgeschichte.

 

Rod aus Hannover, Juli 2004

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