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„Die indonesischen Schwestern“ lassen aufhorchen. Hörproben finden Sie nun in der Rubrik «hören» – und mehr.

Die indonesischen Schwestern

Romancover: Die indonesischen Schwestern

ISBN-13: 978-3887697679
"Die indonesischen Schwestern" erschien Frühling 2011 im konkursbuch Verlag Claudia Gehrke. Die Rezensionen finden Sie in der Rubrik «Presse» - und mehr.

Inhalt

Eine Mutter und drei Töchter indonesischer Herkunft in einem deutschen Dorf. Phyllis war mit einem Deutschen verheiratet. Dann stirbt ihr Mann ... Phyllis entschließt sich, Indonesien zu verlassen und mit den Töchtern in das Haus des Vaters in das Dorf in Nordrhein-Westfalen zu ziehen. Dort sind sie „Ausländer", auch wenn sie gut deutsch sprechen, sie sind die einzigen »Schlitzaugen« im Dorf.

Fast vier Jahre leben sie nun dort. Der Roman beginnt an dem Tag, an dem eine der Schwestern, selbst noch lange nicht erwachsen, ein Kind bekommt.

Je ein Tag im Jahr der folgenden vier Jahre wird erzählt. In dieser Zeit passiert viel im Leben der Schwestern, sie werden erwachsen, verlieben sich, eine von ihnen liebäugelt mit dem Islam, eine andere wird lesbisch, sie driften in unterschiedliche Richtungen und dann gerät die Jüngste in große Gefahr …

Ein Roman über das Erwachsenwerden, über das mit- und Gegeneinander unterschiedlicher Welten, über Schwestern, Mütter, Kinder ...

Leseprobe

Es roch nach Kleister. Das Baby schrie. »Ein Mädchen!«, rief Phyllis und fiel beinahe über ihren Koffer. Vor Stunden hatte sie ihn neben dem Tapeziertisch abgestellt. Sie hatte eine Fahrt zu ihrem Bruder geplant gehabt, den seine indonesische Firma zu einem Kongress nach Deutschland geschickt hatte. Sie wollte Felix unbedingt treffen. Auf Dauer war das kein Ersatz, Wünsche, Ideen, Träume oder auch Banales auf ein Bananenblatt zu schreiben, es klein zu falten und in der Glut eines Räucherstäbchens zu Asche zu verbrennen. Einem lebendigen Bruder gegenüber, ihn lächeln zu sehen oder auch ihn zu beobachten, bis sich seine gerunzelte Stirn wieder glättete, das war es, was sie wollte. Ein Gespräch mit ihrem Felix. Endlich wieder javanisch reden. Wann sie ihren Bruder das nächste Mal sehen würde, gab kein Orakel der Welt preis. Vielleicht nie mehr. Vielleicht auch bald. Je nachdem, ob der Vater ihr verzeihen würde, dass sie nicht nach Indonesien zurückgekehrt war.

Das Neugeborene schrie jämmerlich. Die Hebamme gab es ihr, eingewickelt in ein weiches Tuch. Bläuliche, knittrige Haut, blut- und fettverschmiert – das Mädchen zappelte wild. Phyllis konnte es nicht fassen, ihre Enkeltochter in den Armen zu halten. Sie überlegte, ob ihr Herz vor Glück springen oder weinen sollte.

»Was für ein wunderschönes Mädchen«, sagte sie und streichelte über die kleine, gerunzelte Stirn.
»Zeig sie mir«, bat ihre Tochter, der die schwarzen Haare im Gesicht klebten.
»Wie schön sie ist«, sagte Yasmin. Die Wöchnerin setzte sich im Bett auf und lehnte sich an die Wand, von der die Tapete noch in Fetzen hing.
»Sie ist so leicht«, sagte sie, als ihre Mutter ihr das Baby in die Arme legte. Plötzlich gefror ihr das Lächeln im Gesicht. Yasmin krümmte sich vor Schmerzen.
»Die Plazenta kütt«, sagte die Hebamme gelassen und nahm ihr das Kind aus dem Arm. »Ich wasch et dann schomma.«
»Halten Sie ein, bitte«, bat Phyllis. »Ich würde gerne nachschauen, ob die Kleine auch gesund ist.«
»Das muss doch der Doktor«, entgegnete die Hebamme. »Der kütt schon noch.«
»Vier Augen sehen mehr«, beharrte Phyllis und nahm ihr das Kind ab.

Die Hebamme wurde noch bleicher, als sie schon war. Wahrscheinlich hat sie zu lange in heißer Milch gebadet, dachte Phyllis gehässig. Ihr war die Blässe längst aufgefallen. Immerhin hatte die Hebamme eine Mama Biang-Tasche dabei und benutzte sie auch. Spott, Zweifel und gleichzeitiges Vertrauen in die Künste der Hebamme rumorten in Phyllis, ohne dass sie wusste, was ihr missfiel. Nicht einmal der Name der Frau interessierte sie. Die Hebamme war ihr einfach zu jung, knapp über dreißig, schätzte Phyllis. Eine gute Geburtshelferin musste aber das vierzigste Lebensjahr überschritten haben. Die Hebammenausbildung brauchte schließlich ihre Zeit. Das war in Deutschland sicher auch so.
Sie wischte ihre Enkelin mit dem Wickeltuch trocken. Dann steckte sie es in eine Schublade der Kommode, die mitten im Raum unter einer Plastikfolie stand. Die Hebamme beobachtete sie entsetzt. Wusste sie nicht, dass man aus dem Wickeltuch wichtige Heilmittel bereiten konnte?

Um alles richtig zu machen, hätte sie zwar genau jetzt ein Bananenblatt gebraucht, um das Wickeltuch einzupacken. Aber wenn es eben nicht ging, alles perfekt zu machen, dann half es auch, das, was möglich war, richtig zu machen. Mit oder ohne Bananenblatt.
Es war selten genug, dass überhaupt ein solches Blatt den Weg ins Dorf fand. Wie sollte man da gesund bleiben?

Hörproben finden Sie in der Rubrik «Hören» - und mehr.

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